Rezension: L’ANCORA

An iPad displaying the book cover 'L'ANCORA: Du gibst mir Halt' by Melanie Buchelt and a tracker showing 2 books read this year.

»Luana, dass … tut mir leid. Ich wollte dir … deinen Vater nicht wegnehmen.«

Romance ist für mich, obwohl ich bereits einige Bücher gelesen habe und selbst inzwischen in dem Genre schreibe, immer noch Neuland. Ich bin nicht unbedingt als der große Romantiker bekannt und während Bookies von irgendwelchen Book Boyfriends schwärmen, kann ich da nur mit den Schultern zucken. Auch diese ganzen „heißen Posen“ lassen mich entweder kalt oder bringen mich zum Lachen. Dahinschmelzen? Eher nicht so. Dennoch habe ich inzwischen viel Spaß an Romance Büchern, vor allem an denen von Melanie Buchelt. Zum Einen, weil ihre Bücher, von dem was ich bisher kenne, nicht sonderlich spicelastig sind und weil die Herren – die Love Interests – nicht übergriffig sind.

Richtige Greenflaggs.

Ich würde mich zwar in keinen von denen verlieben, allein schon, weil sie ja der Protagonistin versprochen sind. Aber auch, weil sie einfach nicht so mein Typ sind. Ich bin ja mehr so der Gothic und Metalhead Fan 😉 Aber, und das finde ich noch viel besser: Die Männer, die Melanie schreibt, sind Männer. Keine Menners. Die Sorte Mann, die man sich als Bruder oder besten Freund wünscht. Die Sorte Mann, von der ich hoffe, dass das eigene Kind später, so einen mit nach Hause bringt, weil man da eben keine Angst haben muss, dass man am Ende bittere Tränen trocknet oder mit der Polizei redet. Und deswegen habe ich mir schon lange keinen einzigen Klappentext mehr von Melanie durchgelesen, sondern einfach gekauft. Dementsprechend wusste ich ehrlich gesagt nicht, was mich hier erwartet. Aber einmal mehr wurde ich nicht enttäuscht.

L’ANCORA – Klappentext


„Eine Frau wie du übersteht jeden Sturm.“
Der Kampf gegen ihre eigenen Gefühle.
Ein Sturm aus alten Wunden und Missverständnissen.
Und die Zurückweisung, vor der sie sich am meisten gefürchtet hat …

***

Als Luana eine folgenschwere Lüge ihrer Eltern aufdeckt, flüchtet sie nach Italien, um der Wahrheit auf den Grund zu gehen. Doch in Siena lassen die Antworten auf sich warten. Stattdessen begegnet sie dem Weinverkäufer Luca. Ihr Herz ist Feuer und Flamme für ihn – aber das Schicksal erstickt ihre Hoffnungen im Keim.

Worum geht es?

L’ANCORA – Du gibst mir Halt ist der erste Band der Conti Dilogie, der am 28.07.2023 im Dunkelstern Verlag erschienen ist. Er erzählt die Geschichte von Luana und Luca. Luana, aus deren Sicht der Großteil der Story geschrieben ist, erfährt zu Beginn, dass in ihrer Familie nicht alles so ist, wie sie bislang annahm. Und das erfährt sie leider nicht in einem ruhigen Gespräch, sondern weil sie es versehentlich hört. In dem Moment bricht für sie die Welt auseinander und sie entschließt sich dazu, Hals über Kopf nach Italien zu gehen. Dort will sie sich nicht nur der Wahrheit stellen, sondern auch der Frage, wie es jetzt für sie weitergeht und dafür muss sie jemanden treffen.

Carlo Conti.

Aber anstatt ihm, trifft Luana in dem Weingeschäft der Contis Luca, der sich ihr sofort auf seine charmante Art und Weise als Reiseführer anbietet und ihr die Stadt zeigen will. Obwohl Luana ganz andere Sorgen hat, nimmt sie das Angebot an und lässt sich von ihm Siena zeigen – und das nicht auf die Touristentour. Schließlich muss sie sowieso länger auf ihre ersehnte Konfrontation warten, als erwartet und warum die Wartezeit nicht mit netter Gesellschaft verbringen?

In den darauffolgenden Tagen kommen sich die beiden schnell näher und Luana lernt auch direkt seine Schwester Sofia kennen. Was sie nicht erfährt ist sein Nachname und ausgerechnet der wird ihr später einen mächtigen Dämpfer verpassen. Ebenso die Konfrontation mit Carlo Conti. Von einem Moment zum Nächsten steht nicht mehr nur das Leben von Luana Kopf und alles droht irgendwie den Bach runterzugehen.

Aber sind wir ehrlich: Was wäre eine sommerliche Romanze, ohne ein Happy End?

Meine Meinung

Wie gesagt, Romance ist ja immer noch nicht mein Hauptgenre, weswegen ich vermutlich in meiner Rezension nicht so auf die Standard Sachen eingehe. Ich werde den Text wohl ganz anders bewerten, als jemand der ausschließlich oder zumindest viel Romance liest. Aber gerade für mich als Einsteiger, sind die Bücher von Melanie einfach perfekt. Es ist ja auch nicht das erste Buch, dass ich von ihr lese, sondern bereits das Dritte – na ja 2 einhalb. „Wenn ich wieder lieben kann“ musste ich zur Seite legen, aber das erzähle ich dann in der Rezension, wenn ich mit dem Buch fertig bin 😉 Denn das Leseerlebnis ist nur pausiert und auf keinen Fall abgebrochen.

Aber nun zu L’ANCORA. Fangen wir mit den Charakteren an, denn die sind besonders spannend. Melanie stellt uns Luana und ihre Familie ganz entspannt vor. Der Geburtstag des Vaters, wo wir bereits ein bisschen über das Verhältnis in der Familie erfahren. Wir erleben sie als herzlich, einander zugewandt und sehr liebevoll. Etwas, das im extremen Kontrast zu dem nächsten Charakter steht. Carsten. Meinem Liebling. Das ist der Freund von Luana und den habe ich so gern, dass ich ihn sehr dolle drücken möchte. Mit den Händen. An seinem Hals.

Der gute Herr ist nämlich sehr Ich bezogen und glaubt, dass sich die Welt um ihn und seine Existenz dreht. Das er nur zu lächeln braucht und Luana liegt ihm direkt zu Füßen. Die Eltern von ihr hat er leider um den Finger gewickelt. Ein Charakter, der mich abstößt und das nur nach wenigen Zeilen.

Und DAS ist super. Melanie übertreibt hier nicht und sie stellt ihn auch später nicht als den geläuterten Ex-Freund dar, wodurch seine Handlungen relativiert worden wären. Zudem hätte das auch zu einem zusätzlichen Drama bei Luana geführt, aber dadurch, dass er sich treu bleibt, schafft Melanie Abstand. Luana kann sich von ihm lösen, kann sich um ihr eigenes Problem kümmern und gleichzeitig ihrem Herzen erlauben, sich das zu nehmen, was es für die Heilung braucht. Von der Autorin selbst, weiß ich, dass die Entwicklung von Carsten anders geplant war, aber hier ist klar zu sagen: Es war richtig, den Plan anzupassen. Denn auch wenn ich ihn nicht mag, ist er gut geschrieben. Ich, als Lesender, kann ihn mit Leidenschaft abstoßend finden.

Luana, die Protagonistin, finde ich tatsächlich auch recht realistisch dargestellt. Oder anders: Authentisch. Sie nimmt einen mit. Ihre Herzlichkeit, ihre Verzweiflung, ihre stürmischen Gefühle für den Luca und das gebrochene Herz. Ja, und ihre … Gutmütigkeit. Melanie nimmt uns mittels Luana auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle mit. Bei der Protagonistin kommt es nicht erst zu einem Drama und dann trifft sie auf einen heißen Italiener, durch den dann alles wieder tippi toppi wird und das instant. Ne, für Heilung braucht es erstmal Chaos. Luca ist im ersten Moment vermutlich eine gute Ablenkung, damit sie innerlich zur Ruhe kommt und auch wenn ich kein Fan vonFast Burn bin, kann selbst ich die Schmetterlinge im Bauch nachvollziehen, denn Luca ist dieser Typ Mann, den man sonst gerne in Friendzone schickt.

Er ist NETT.

Eine reine Wohltat, wenn man da an andere Book Boyfriends denkt. Er hört ihr zu. Achtet auf sie, ist dabei aber weder Macho-mäßig drauf, noch übergriffig. Ja, er passt auf sie, die fremd in der Stadt ist, auf, stellt sich aber nicht über sie. Das ist kein „och die süße Kleine“, sondern ein richtiges „wie geht es dir?“ und gerade das mag ich so an ihm. Was ihn aber so richtig sympathisch macht, sind seine Gefühle. Seine Höhen und Tiefen. Denn der darf auch leiden und traurig sein und muss sich nicht hinter toxischer Männlichkeit verstecken. Wenn man dann noch seine Hintergrundstory erfährt …

Und so könnte ich auch mit den anderen Charakteren weitermachen, aber wo bliebe dann der Spaß beim Lesen 😉

Als nächstes die Story.

Ich bin ja durch die anderen beiden Bücher schon gewohnt, das Melanie keinen Bock auf Standard Romance Klischee Themen hat. Hey, warum denn eine seichte Sommerromanze in Italien, wenn man da direkt noch ein Familiendrama einbauen kann? Die Geschichte um Luana und das Geheimnis ihrer Familie, steht im Zentrum und gleichzeitig nicht im Zentrum. Es läuft einerseits so im Hintergrund und durch die Leichtigkeit mit Luca, möchte man das alles glatt vergessen, gleichzeitig liegt es aber schwer zwischen den Zeilen verborgen und man wartet nur auf das tragische Finale. Nur das die Konfrontation dann gar nicht das Finale ist. Und hier der Twist, den ich besonders mag und das aus einem persönlichen Grund, den Luana bekommt in ihrem Familiendrama, jenes Happy End, dass ich mir für meins immer wieder wünsche. Aber Melanie wird hier nicht schwach und bleibt ihrer Linie knallhart treu: Die Sache wird nicht leicht.

Kein wundersames Happy End und alle sind glücklich und das einfach per Fingerschnippen. Alle müssen erstmal verdauen, verstehen und an Beziehung arbeiten. Und das braucht vor allem eines: Zeit. Gerade das macht es so angenehm. Die Charaktere dürfen an der Situation wachsen.

Gleichzeitig ist es aber auch ein Auf und Ab der Gefühle. Die Leichtigkeit auf der einen Seite. Die Verzweiflung auf der anderen. Wir lachen, weinen und fluchen – und das stets im Wechsel. Die Story hat ein gutes Tempo, vor allem weil es kein einziges Hoch ist, sondern mal eine ruhige Passage und dann kommt wieder etwas Spannung rein. Was es aber nicht weniger schwierig macht das Buch aus der Hand zu legen. Denn die Spannung liegt ja nicht in so großen Enthüllungen, die kommt nicht geballt und ebbt dann ganz schnell wieder ab. Ne, die finden wir auch wieder zwischen den Zeilen. In kleinen Bemerkungen, Gesten. Kleine Momente, die den Wunsch wecken, zu erfahren, wie es weitergeht. Leider will man dann aber auch nicht durch die Ruhephasen rushen, denn die sanften, ruhigen Momente will man auch genießen. Furchtbar xD Nein, natürlich nicht wirklich furchtbar.

Passend dazu kommen wir zum Stil. Denn der macht es einem auch verdammt leicht das Buch in einem Rutsch durchzulesen. Ich spreche aus Erfahrung, denn ich habe das Buch in einer Nachtschicht durchgezogen. Melanie schreibt sehr bildhaft und baut die italienische Sprache sehr geschmeidig ein. Gerade durch Letzteres kommt der Italien-Vibe sehr gut rüber, auch wenn Melanie vermutlich nicht vor Ort war, als sie das Buch geschrieben hat. Ich würde gerne sagen, dass es vom Stil her sehr leichte Lektüre ist. Sich wegliest. Aber das wird oft negativ genutzt. Auch von mir. In diesem Fall ist es aber absolut positiv gemeint, denn das bedeutet, dass ich nicht ins Stocken kam beim Lesen. Ihr Stil reißt mich nicht raus, selbst wenn ich kein italienisch spreche. Sie haut einem die Übersetzungen nicht einfach mit der Keule um die Ohren, sondern baut sie elegant ein.

Zum gedruckten Buch kann ich leider nichts sagen, da ich nur das eBook habe. Noch.

Mein Fazit

Wertung: ✨✨✨✨✨ (5/5)

Auch hier kann ich wieder eine klare Leseempfehlung geben. Vor allem wenn ihr genug von den Bad Boys und den Redflaggs habt. Wir haben authentische Charaktere, eine fließende Geschichte und einen sommerleichten Stil. Höhen und Tiefen reichen sich in L’ANCORA die Hand und lassen mich mit Freunde den zweiten Band beginnen, wo die Geschichte der Contis weitergeht – aber dieses Mal nicht aus Luanas und Lucas Sicht 😉

[Werbung, selbst gekauft, eBook]


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