Debüt mit Bookhangover-Garantie
Limits of Light, das Debüt der Autorin Linda Josefin, erschien heute im Dunkelstern Verlag. Ein Urban-Fantasy Roman, der ein bisschen anders ist als die Fantasy-Bücher, die ich bisher gelesen habe, denn hier trifft die Magie auf Wissenschaft und die Wissenschaft auf die Magie. Und selbst wenn wir genau hinsehen, ist es schwer zu sagen, ab wann die Grenzen verschwimmen.

»Berlin muss ja nicht alle guten Erinnerungen bekommen«, flüsterte ich schließlich zurück. Dann rutschte ich so dicht neben ihn, dass ich meinen Kopf auf seine Schulter legen konnte und mich seine Locken an der Stirn kitzelten.
Normalerweise bin ich ja nur ein Autor, der gelegentlich mal die Zeit findet auch ein Buch zu lesen – und das leider viel zu selten. Jetzt wollte ich mich aber wieder mehr zum Lesen motivieren und was hilft bei einem ADHSler wie mir am Besten? Druck. Am besten die Sorte, die auch noch eine Deadline hat. Und nachdem ich auf Instagram ein bisschen was über Limits of Light gelesen hatte, war sehr schnell klar: Okay, DAS will ich lesen. Man muss dazu sagen: Ich liebe Mathe und bin mit Mathematikern und Chemikern befreundet und das die Protagonistin Mathematikerin ist, hat mich da einfach direkt abgeholt. Allein schon, weil das jetzt nicht unbedingt der üblichste Beruf einer Fantasy-Protagonistin ist. Also habe ich mich kurzerhand als Blogger für das Buch gemeldet und dann auch bei der Blogtour mitgemacht – meine erste übrigens. Heute, direkt zu Release des Buches, bin ich durch die Seiten geflogen und werde euch nun ein bisschen was erzählen.
Limits of Light – Klappentext
»Bei uns wirkt Wissenschaft wie Magie – und Magie wie Wissenschaft.« – Die Patronen
Die Mathematikerin Mira kennt die Heiler für Übernatürliches nur von den großspurigenSlogans, die sie überall in Frankfurt am Main verbreiten. Und das wäre so geblieben, wäre ihr Onkel nicht spurlos verschwunden, kurz nach seinerVerwandlung zum Werwolf. Mira hätte sich nie mit drei Patronen in die Unterwelt gewagt, dem Sohn des Leiters vertraut, gegen Vampire gekämpft oder ein Geheimnis aufgedeckt, das alle Grenzen von Magie infrage stellt.Sie könnte sich noch an Zahlen festhalten, ihre Familie wäre noch sicher – und sie wären noch auf derselben Seite.
Worum geht es?
In dem Auftakt der Trilogie „Grenzleuchten“ – Limits of Light, begleiten wir die Protagonistin durch den Untergrund von Frankfurt und Berlin, auf der Suche nach der Wahrheit. Die Geschichte beginnt mit einem ganz normalen Treffen zwischen Geschwistern, das dann aber von einem besorgniserregenden Telefonat zwischen Mira und ihrem Onkel Hannes überschattet wird. Denn Hannes eröffnet der Protagonistin, dass er ein Genträger ist und sich, mit Miras Vater, auf den Weg zu den Patronen ist. Mira vertraut sich ihrem Bruder Nik an, versucht aber ihre jüngere Schwester Leslie aus der Sache herauszuhalten, um diese nicht unnötig zu belasten.
Sehnsüchtig warten die beiden auf eine Rückmeldung, doch als sie auch nach mehreren Stunden nichts hören, wenden sie sich vertrauensvoll an die Patronen – eine Gruppe von Experten für das „Zweite Leben“. Dort lernen sie Paul kennen, einen pflichtbewussten jungen Mann, der die beiden versucht zu beruhigen. Doch was er herausfindet hilft nicht gerade dabei Miras Sorgen zu beschwichtigen. Und schneller als die drei denken, befinden sie sich auf der Spur alter Machenschaften und einem Spiel aus Vertrauen und Misstrauen. Denn wer sind die Patronen und was wollen sie? Und was haben Miras Onkel und ihre Eltern damit zu tun? Und wer ist diese geheimnisvolle Ronja?
Meine Meinung
Das der Dunkelstern Verlag ein Händchen für Geschichten außerhalb des Mainstreams hat, ist jetzt nichts Neues. Vor allem, da ich selbst dort veröffentliche. Dementsprechend wunderte es mich nicht, dass Linda dort mit ihrer Mathematikerin Mira und dem pflichtbewussten Paul Anklang gefunden hat. Ja, wir haben einen Fantasy-Roman, in dem die Protagonisten Mira und Paul heißen – deal with it. Und um euch noch ein bisschen mehr zu schocken: Es spielt nicht in den USA sondern in Deutschland. In zwei großen Metropolen, um genau zu sein.
Linda entführt uns nach Frankfurt und Berlin und zeigt, was passiert, wenn deutsche Bürokratie auf Fantastik trifft. Ich würde gerne behaupten, dass die Geschichte ganz beschaulich und ruhig beginnt, aber das wäre eine glatte Lüge, denn es ist von Seite eins an klar, dass da was nicht stimmt. Nicht zuletzt wegen Mira, die das sehr schnell und sehr beiläufig klarstellt. Wir haben hier kein Infodump, der uns erstmal die Welt erklären will, sondern erleben das Chaos aus der Sicht von Mira. Was ich sehr angenehm an dieser Stelle finde, ist, dass Mira dabei nicht belehrend wirkt oder in langatmige innere Monologe verfällt. Es sind eher Gedankenfetzen, die durchscheinen lassen, dass die Welt, wie wir sie dort kennenlernen, nicht immer so war und das auch für sie alles neu ist. Für sie und irgendwie auch für den Rest der Anwohner.
Aber fangen wir mal mit den, durch Lindas Social-Media-Auftritt, bekannten Fakten an. Wir haben hier eine Geschichte über Vampire, Magier und Werwölfe, die auf Menschen treffen – oder umgekehrt. Was jetzt erstmal wie ein Standard Setting klingt, wird durch die Gestaltung der Wesen komplett auf den Kopf gestellt, denn wer jetzt plüschige Wölfe á la Jacob Black oder den Blutsauger mit den leuchtend roten Augen und dieser Typischen Fluch-Aktion erwartet, der wird hier entweder extrem enttäuscht oder sehr positiv überrascht.
In Limits of Light, beziehungsweise der Reihe Grenzleuchten, basiert alles auf den Genen. Entweder du bist ein Vampir oder du bist keiner. Dasselbe gilt für Magier und Werwölfe. So ein Gen kann aktiv oder inaktiv sein. Aber selbst wenn es gerade nicht aktiv ist, ist es dennoch da – man kann es ein bisschen mit den Windpocken vergleichen. Einmal Windpocken gehabt, ruhen die Viren im Knochenmark und schlummern dort, bis sie durch zum Beispiel Stress aktiviert und zur Gürtelrose werden.
Die Charaktere nutzen hier die Floskel „Zweites Leben“, was die Sache gut beschreibt. Und für dieses zweite Leben gibt es eine Organisation, die den Genträgern hilft sich zurechtzufinden und die Sache zu verstehen. Und was soll ich sagen? Ich war vom ersten Kapitel an verdammt misstrauisch, was die Patronen angeht. Die kamen mir absolut zwielichtig vor. Und dann treffen Mira und ihr Bruder auf diesen netten, etwas verschwiegenen Typen – Paul – und anstatt das mein Misstrauen nun kleiner wird, verstärkt der das nur. Ob man ihnen trauen kann oder nicht, müsst ihr aber selbst herausfinden, das würde zu sehr spoilern.
Was ich sagen kann: Ich mag Paul. Und Manuel. Und Isa.
Und Nina.
Ausgerechnet Nina, könnte auch mein Lieblingscharakter werden. Auch wenn die nicht zu den guten gehört.
Einen weiteren Pluspunkt hat Linda mit dem Thema Depressionen gesammelt. Vor allem mit dem Umgang mit der Krankheit. Wir haben hier nicht die Sicht einer Patientin, sondern von einer Angehörigen. Wir begleiten Mira bei ihrem Weg mit der Erkrankung ihrer Schwester umzugehen und mit ihren eigenen Vorwürfen und Schuldgefühlen. Die Erkrankung hat nicht nur die Betroffene selbst überrollt, sondern auch die Familie und es kostet viel Kraft, um zu lernen, wie man damit umgeht. Linda hat Mira hier sehr authentisch agieren lassen. Nicht nur, indem sie ihren Gedanken Raum gegeben hat, sondern auch ihren Fehlern, denn gerade Letztere brauchen auch den Platz in Büchern – finde ich zumindest, da es utopisch ist, an dieser Stelle von Anfang an alles richtig zu machen. Auch später wird man noch Fehler machen. Beide Seiten. Aber über so was reden wir in unserer Gesellschaft halt nicht gerne, dabei würde das sehr viel Druck herausnehmen.
Ich bin gespannt, wie Mira in den weiterführenden Büchern mit der Situation umgehen wird. Wird sie lernen ihrer kranken Schwester mehr zuzutrauen? Wird sie lernen die Schuldgefühle loszulassen? Und vor allem: Werden sie lernen zu reden und zuzuhören? Denn das ist es, was am Ende beiden Seiten helfen wird. Zeigen, dass man da ist. Zuhören, auch wenn man vielleicht keinen Rat weiß und auch zugeben, dass man sich selbst hilflos fühlt – ohne sich in den Mittelpunkt zu rücken. Manchmal hilft da auch die Frage „Was brauchst du?“ und selbst wenn die betreffende Person in dem Moment keine Antwort weiß, bleibt das Gefühl, dass es jemanden kümmert, was mit einem ist.
Nachdem ich nun sehr viel über den inhaltlichen Aspekt geschrieben habe, muss ich jetzt doch mal zu der Form kommen. Linda hat hier, für mich, einen kleinen Pageturner geschrieben. Es fiel mir sehr schwer das Buch aus der Hand zu legen und die meiste Zeit saß ich da und fragte mich: WTF?!
Ich habe ja nun auch das Glück, dass Linda und ich auch miteinander schreiben und ich ihr meine Eindrücke live schicken kann. Sie hat sehr viele Emojis mit explodierendem Kopf erhalten und hat kurz vor Ende auch noch von mir angedroht bekommen, dass sie eine 1 Sterne-Rezi bekommt, wenn eine bestimmte Sache nicht passiert. Ja, klingt wieder nach Inhalt, hat hier aber mehr mit ihrem Stil zu tun. Denn Linda schafft es in Limits of Light, die Spannung über einen sehr langen Zeitraum aufrechtzuerhalten und an den richtigen Stellen noch einmal zu steigern. Es liest sich sehr flüssig und selbst recht ruhige und entspannte Situationen, bergen ein gewisses … mir fällt hier nur „Prickeln“ ein. Aber nicht in die sexuelle Richtung, sondern mehr wie ein ruhiger Sommerabend, bei dem man in der Luft das nahende Gewitter schon spürt und das über mehrere Tage hinweg. Man wartet nur darauf. Man will, dass es endlich kommt und es dann richtig knallt, damit diese Spannung endlich ein Ende hat.
Und Linda lässt es knallen.
Und das nicht zu knapp, wenn ich das mal sagen darf.
Zu guter Letzt, ehe ich dann zu meinem Fazit komme, möchte ich auch mal die Rezension nutzen, um nicht nur die Autorin in den Himmel zu loben, sondern das Team drumherum. Das Lektorat hat hier ganze Arbeit geleistet, die Coverdesignerin hat ein wunderschön passendes Design gezaubert und ganz ehrlich? Ich habe selten ein Buch in der Hand gehabt, mit so krass wenigen Fehlern. Ernsthaft. Also ein Buch ohne Fehler gibt es vermutlich nicht, aber ich gehöre ja zu der Sorte Leser, denen Fehler bei fremden Texten ins Auge stechen – die förmlich danach suchen. Nicht um mich darüber lustig zu machen oder es den Autoren unter die Nase zu reiben – Himmel, ich finde in meinen Büchern selbst nach der 100sten Überarbeitung noch Fehler – sondern um meinen Blick zu schärfen. Ich muss einfach sagen: Hier war meine Ausbeute echt mager xD Klasse!
Mein Fazit
Wertung: ✨✨✨✨✨ (5/5)
Und eine klare Leseempfehlung, vor allem wenn man Bock auf eine sehr erfrischende Darstellung bekannter Wesen hat. Es hat sehr viel Spaß gemacht und zu meinem ersten Bookhangover seit Chroniken der Unterwelt geführt. Es ist gut geschrieben, hält die Spannung und wartet mit unglaublich faszinierenden und sympathischen Charakteren auf. Selbst auf der Antagonistenseite. Mental Health wird hier auf respektvolle Art und Weise und sehr authentisch eingebunden und nicht als Schockthema genutzt, um damit werben zu können.
Tja, und nun muss ich sehnsüchtig auf Band zwei warten.
Und das grenzt leider schon an eine Qual.


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