Eine Idee wird geboren

Schattenkind Talk: Eine neue Buchidee. Eine historische Romance, im Berlin von 1880.

Eine Idee wird geboren

·

,

Von Trends zu neuen Ideen

Bridgerton ist mal wieder in aller Munde und ich liebe es. Zwar komme ich aktuell selbst nicht dazu ab Staffel 2 weiter zu schauen – ja, ich hinke da ein wenig hinterher, dabei finde ich die Serie super – aber die Diskussionen drum herum, beflügeln mal wieder meine Fantasie. Und so habe ich gestern mal ganz spontan drauflos geplottet.

„Ich kann doch nicht …“

So bitter wie es klingt, jedes meiner Projekte begann mit den Worten „Ich kann doch nicht …“, weil ich im ersten Moment stets glaube, dass ich keine Idee und keine Ahnung habe. Das Interessante passiert aber genau in diesen Augenblicken. Gestern war es der Satz: „Ich kann doch keine historische Romance schreiben.“ Direkt im Anschluss folgte, wie immer, die Frage „Worüber sollte ich auch schreiben?“ und DA, genau DA passiert es: Ich beantworte die Frage und plotte drauf los. Erstmal so ganz lose. Eine Grundstory. „Etwa über …“ eine junge Frau aus gutem Hause, die sich in das Theater verliebt? Und dann? Lernt sie dort eine Frau kennen, die nicht nur ihre Leidenschaft teilt, sondern ihr Herz erobert?

Ja, das ist schon eine ziemlich konkrete Idee. Als hätte sie schon ewig in den Windungen meines Gehirns existiert und nur auf diesen Augenblick gewartet. Man könnte es jetzt mit der Szene aus Rapunzel – Neu verföhnt vergleichen, wo Rapunzel erklärt, dass sie Zauberhaare hat, die im Dunkeln leuchten, wenn sie singt. Erst die Erkenntnis, dann singt sie, sie finden den Strom und lösen die Steine und werden hinaus katapultiert. So läuft das in etwa mit meinen Ideen.

Ich sage „Ich kann doch nicht …“ und erschaffe im nächsten Satz bereits das Grundgerüst. Eine Grobe Storyline, die jetzt geformt und ausgebaut werden will. Und wer jetzt denkt, dass gerade das vermutlich ewig dauert, der irrt. Ich bin schnell. Verdammt schnell. Was meint ihr, warum ich dem Dunkelstern Verlag so viele Ideen einreichen konnte? Die sind alle komplett fertiggeplottet und müssen nur noch geschrieben werden. Ebenso meine Selfpublishing Projekte. Ich bin mit Ideen versorgt, bis 2050 und ich bekomme fast täglich neue. Ganz furchtbar xD Die wollen nämlich auch alle geschrieben werden. Deswegen ist die Festlegung auf ein Genre auch so schwer.

Aufgewachsen zwischen Epochen und Gothic

Was qualifiziert mich eigentlich dazu eine historische Romance zu schreiben?

Also erst einmal habe ich da richtig Bock drauf und das schon seit meiner Jugend. Nicht unbedingt Romance, da ich mir nie Liebesgeschichten zugetraut habe. Aber ein Buch in historischem Setting. Ich habe das viele viele Jahre vor mich hergeschoben, weil ich dachte, dass ich das lieber den Leuten überlassen sollte, die Geschichte studieren oder studiert haben. Eigentlich ziemlich albern, vor allem wenn man bedenkt, wie ich arbeite. Mein Mann sagt seit Jahren, dass ich irgendwann historische Bücher schreiben würde, weil das mein Ding ist. Ich lebe dafür mich durch die Epochen zu wühlen und wenn man meine Recherchen zu anderen Büchern sieht, dann weiß man auch, dass ich nicht halbherzig arbeite. Ich knie mich da voll rein und lese mir, wenn es sein muss, auch Bibeltexte durch, um meine Charaktere zu gestalten.

Wenn ihr über irgendwelche Ereignisse in meinen Büchern lest, könnt ihr sicher sein: Vermutlich ist das in etwa so belegt. Nur meistens dann für meine Geschichte etwas umgebastelt. Neverending Midnight behandelt zum Beispiel die großen Sonnenstürme, die für Chaos gesorgt haben.

Diese Leidenschaft für Recherche und historische Themen habe ich vermutlich von meiner Mutter. Die hat alles zu ihren liebsten Themen verschlungen. Großer Fokus lag bei ihr auf die viktorianische Epoche oder auch Gründerzeit, das Biedermeier, die Renessaince, das Rokoko … ja, es sind zu viele Epochen, mit denen sie sich beschäftigt hat. Mit mir darf man sich auch nicht anlegen, wenn es um bestimmte Königshäuser geht. Die Tudors zum Beispiel oder den Hof des Sonnenkönigs oder später Marie Antoinette. Am liebsten waren meine Mutter ja alle Filme und Bücher, die mit Elisabeth und ihrer Mutter zu tun hatten. Königin für 1000 Tage war ihr absoluter Lieblingsfilm. Und irgendwie ging diese Leidenschaft nicht so einfach spurlos an mir vorüber. Als das erste mal Heinrich der VIII Thema in der Schule wurde, habe ich Fragen dazu nebenbei beantwortet und mich am Ende noch mit meiner Geschichtslehrerin angelegt, die meinte Heinrich der sechste habe die protestantische Kirche nach England gebracht. Da bekam ich Schnappatmung. In der siebten oder achten Klasse. Das gab richtig Streit und endete darin, dass ich von meiner Mutter Bücher in die Hand gedrückt bekam, in denen es schwarz auf weiß stand xD Und die offizielle Erlaubnis, den Unterricht zu verlassen, wenn die Frau wieder Blödsinn redet. Habe ich nicht nur einmal in Anspruch genommen. Als die Frau sagte, dass Marie Antoinette nie existiert habe, war bei mir vorbei. Wortlos aufgestanden und raus – das war zu viel.

Aber das zieht sich durch meine gesamte Jugend. Während andere Teenager rausgingen und auf den Putz hauten, suchtete ich mit meiner Mutter vermutlich jeden Film über die Tudors. Ich habe Kleider gezeichnet. Zu meiner Konfirmation wollte ich ein Burgkleid. Und das Beste? Man kann das alles mit der Gothic Szene kombinieren. Auch da wurde ich hineingeboren. Ich bin mit Sopor Aethernus, Lacrimosa und Goethes Erben aufgewachsen. Meine Welt bestand aus Burgkleidern und gestylten Männern in Rüschenhemden mit Zylinder und Gehstöcken.

Meine Lieblingsfächer in der Schule? Deutsch und Geschichte, Na ja und Bio. Ich liebe es Quellen zu analysieren und nachzuprüfen. Setzt mich in ein Museum und ich verliere mich in den Ausstellungen. In der fünften Klasse bekam ich ein Magazin Abo zum Thema Ägypten. Ich war immer schon ein bisschen seltsam. Und wenn ich mir die Hefte anschaue, die wir in der Grundschule basteln mussten – über die Römer – bin ich auch gerne über das Ziel hinausgeschossen.

Ja, ich atme Geschichte. Ich würde alles dafür geben, um Geschichte, Kunstgeschichte und Kostümgeschichte noch einmal an einer Hochschule zu lernen.

Historische Romance in England?

So und nun zu meiner Idee. Historische Romance schreit sicherlich wieder England. Es ist doch immer England. Wir verbinden ja auch die viktorianische Zeit vor allem mit England, tatsächlich wird dieser Begriff aber sehr international verwendet. Deswegen, nein, ich werde meine Geschichte nicht in England spielen lassen, sondern in Deutschland. Um genau zu sein: In Berlin. Gründerzeit im Kaiserreich unter Otto von Bismark. Eine Zeit, die modisch übrigens noch sehr von der Kaiserin Sisi geprägt war. Ich mag es auch nicht komplett durchgekaute Settings zu nutzen. Ja okay, Berlin ist mein Stammsetting. Ich gestehe: Ich mag Berlin als Setting xD Auch wenn ich die Stadt selbst nicht so wirklich leiden kann und ich lebe hier. Aber für mich ist die Stadt vertrautes Terrain, auch wenn ich die Epochen wechsel. Hier gibt es sicherlich auch Archive, wo ich recherchieren kann. Dann die ganzen Museen, die ich besuchen kann. Zeitzeugen werde ich wohl keine finden, aber das ist okay. Auch wenn das sehr genial wäre – durch die Zeit reisen und mit Leuten reden, die im Berlin von 1880 lebten. Und ja, ich würde vermutlich Stoffe kaufen und Schnittmuster. Alles was geht xD Aber das geht halt leider nicht, also beschränke ich mich auf meine Recherche.

Ich werde ein Theatersetting nehmen, weil das schöne Kontraste bietet. Ich kann da mit den verschiedenen Ständen spielen und meiner Protagonistin ein Geheimnis verpassen. Ich habe dann die Unterschiede zur Love Interest, die harte Arbeit gewohnt ist und deren Sprache deutlich freier ist. Nähe geschieht hinter den Kulissen durch kleine, subtile Gesten. Die heile, adlige Welt der Protagonistin darf wie eine Parallelwelt wirken. Meine Protagonistin wird mit dem Druck kämpfen müssen, dass sie in ihrem Stand heiraten und die perfekte Vorzeigefrau sein muss, während sie sich danach sehnt die Gitterstäbe ihres goldenen Käfigs einfach zu sprengen.

Mental Health und Klischees

Es wird also auch wieder um Mental Health Themen gehen. Aber dieses Mal deutlich mehr im Subtext, da es damals noch keine Namen dafür gab. Ich werde auch eine typische Krankheit für die Zeit ins Spiel bringen; Tuberkulose. Nur das man 1880 noch keinen Namen dafür hatte. Aber es gab schon Kurorte. Bad Kissingen oder Davos zum Beispiel. Eine Heilung für die Krankheit gab es damals natürlich noch nicht, aber man konnte die Symptome lindern und den Patienten noch einige schöne Jahre bescheren. Heißt ich kann dennoch ein Happy End schreiben. Es wird nur interessant, wie ich damit umgehen werde, dass psychische Krankheiten und Tuberkulose als typische Schwächen der Frauen abgetan wurden. Ich möchte natürlich so korrekt wie möglich arbeiten, aber an einigen Stellen darf ich sicherlich auch ein bisschen was umbauen, damit ich nicht selbst das Manuskript wegwerfe.

Hier wird es übrigens besonders spannend:

Die Frage, wie genau man sich an die historischen Settings halten muss. Nehmen wir Serien wie Reign und Bridgerton, die sich großer Beliebtheit erfreuten und erfreuen. Reign konnte ich mir nicht ansehen. Ich habe allein bei der Darstellung der Kleider einen Schreikrampf bekommen. Bridgerton finde ich da deutlich angenehmer. Klar, auch hier passt nicht alles, aber es ist stimmig. Alles was nicht passt, wird nicht hervorgehoben, sondern fließt sanft in das Setting und die Umsetzung der Geschichte ein. Also werde ich vermutlich mehr in diese Richtung gehen. Es stimmig genug schreiben, dass kleinere Abänderungen nicht auffallen – außer man ist Historiker und will diese Fehler finden. Aber das ist dann vermutlich auch nicht meine Zielgruppe.

Ich habe auch überlegt, wie ich das sprachlich umsetze. Ob ich versuche Referenzen zu finden, wie man damals sprach oder ob ich meinen moderneren Schreibstil beibehalte. Ich habe mich für Letzteres entschieden. Aber ich werde Sprichwörter und Redewendungen vorher checken. Ist bei Fantasy ja auch nicht anders. Da muss ich solche Aussagen vorher auch darauf testen, ob sie realistisch für mein Setting sind. Ich werde also nicht von Smartphones reden und auch nicht Worte wie „Cringe“ oder so benutzen. Die Vorstellung allein lässt mich erschaudern xD Aber ich werde auf diskriminierende Sprache verzichten. Die Frauen werden auf keinen Fall als irre oder hysterisch bezeichnet. Und ich glaube, dass es voll okay ist, wenn ich hier von damaligen Ansichten abweiche. Auch wenn ich überlege, ob ich den Verlobten der Protagonistin etwas arschiger darstelle. Ich denke da an den Verlobten von Rose aus Titanic – Caledon „Cal“ Hockley. Ein verwöhnter Schnösel, der gewohnt ist alles zu bekommen, was er nur will und das nur, weil er Geld hat. Oder sein Vater. Meistens sind es ja die Väter, die das Geld haben und die Söhne, die sich deswegen aufspielen und vielleicht greife ich dieses Klischee einfach auch mal auf. Klischees sind ja per se auch nichts Schlechtes, weil sie zur Einordnung helfen.

Wichtig ist mir aber, dass das keine Coming Out Geschichte wird.

Ja, die Protagonistin wusste nicht, dass sie sich zu Frauen hingezogen fühlt und findet das erst heraus. Aber es soll nicht groß Thema sein. Auch hier möchte ich ein bisschen mit der Geschichte spielen. Ein kleines Gedankenspiel, denn es gab bestimmt viele Frauen, die eine enge Vertraute hatten. Eine Gouvernante, eine pflegende Freundin oder eine Ankleiderin, mit der sie mehr als nur ein Dienstleistungs- oder freundschaftliches Verhältnis verband. Auch eine Art Klischee. Eines, das mir hilft, denn es lässt die Beziehung im historischen Kontext realistischer wirken, ohne das ich zu viel verbiegen muss. Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr auf die Geschichte und ich glaube, ich werde sie ein bisschen vorziehen. Sobald ich mit dem Lektorat von Neverending durch bin, werde ich erstmal ausführlich bei Notion plotten.

Ich werde bestimmt auch Testlesende brauchen, wenn die ersten Kapitel stehen. Mal sehen, wer hier die Arme hochreißt und „Hier“ schreit.

Kommentare

Eine Antwort zu „Eine Idee wird geboren“

  1. Avatar von Bea Häsing

    oh, ich habe keine Ahnung wie genau das hier funktioniert mit dem Kommentieren und so (muss zugeben Blogs sind immer ein bisschen an mir vorbeigegangen, wenn man von tumblr mal absieht (ist das überhaupt einer? 😂😂) anyway. Ich finde, alles was du hier schreibst klingt absolut wundervoll und ich würde mich sehr freuen, es irgendwann zu lesen ♥️♥️♥️♥️ Ich muss zugeben ich lese sehr wenig, ich schreibe mehr (beides gleichzeitig geht für mich irgendwie nicht so). Aber das Buch werde ich, wenn es rauskommt, ganz bestimmt kaufen ♥️♥️♥️♥️

    Like

Hinterlasse einen Kommentar


Entdecke mehr von Schattenkind Buchwelten

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Antwort

  1. Avatar von Bea Häsing

    oh, ich habe keine Ahnung wie genau das hier funktioniert mit dem Kommentieren und so (muss zugeben Blogs sind immer ein bisschen an mir vorbeigegangen, wenn man von tumblr mal absieht (ist das überhaupt einer? 😂😂) anyway. Ich finde, alles was du hier schreibst klingt absolut wundervoll und ich würde mich sehr freuen, es irgendwann zu lesen ♥️♥️♥️♥️ Ich muss zugeben ich lese sehr wenig, ich schreibe mehr (beides gleichzeitig geht für mich irgendwie nicht so). Aber das Buch werde ich, wenn es rauskommt, ganz bestimmt kaufen ♥️♥️♥️♥️

    Like

Hinterlasse einen Kommentar